Ein guter Artikel, den durchzulesen sich lohnt, trotz der Länge. Eines möchte ich allerdings hinzufügen, nämlich dass gerade die Menschen in den ländlichen Regionen sich vernachlässigt fühlen und das nicht zu Unrecht. Ich komme selbst aus einem kleinen Dorf in Sachsen, in der Nähe von Leisnig, und ich bin noch regelmäßig dort bei meinen Eltern. Zum Glück gibt es im Dorf noch einen Konsum und einen Arzt. Das war es dann aber auch. Busse fahren nur noch einmal täglich in die Kreisstadt, das Gemeindeamt ist zu. So züchtet man sich Frustration, weil man Geld sparen will. Dazu kommen Arbeitslosigkeit und eigene geistige Beschränkung bei gleichzeitiger und andauernder Medienberieselung. Finden die Leute dann endlich ein Ventil – und machen wir uns nichts vor – die Vertreter der etablierten Parteien sind ebenso wie die Rechtsaußen nicht daran interessiert, dass die Gesellschaft wirklich gerechter wird – und „die Ausländer“ kommen ihnen gerade Recht, um von anderen Problemen abzulenken, dann schäumt die Wut über. Ich finde ja, dass Pegida mit vielen Problemen, die benannt werden, gar nicht so weit daneben liegt. Nur sind die „Lösungsansätze“ die falschen. Die Islamisierung des Abendlandes brauchen wir nicht zu befürchten, was wir wirklich fürchten und bekämpfen sollten, ist die „marktkonforme Demokratie“, die uns mit TTIP und Co. immer deutlicher aufgedrängt wird.
Wenn es etwas gibt, was mir im Zusammenhang mit den Flüchtlingen tatsächlich Sorgen macht, dann ist es die Masse der konsum- und anpassungswilligen Neubürger, die die Schattenseiten des Kapitalismus den Schattenseiten ihrer alten Heimat vorziehen. Mit anderen Worten: Am Hauptproblem unserer Gesellschaft ändert sich nichts. Wir rennen weiter freudstrahlend mit dem neuesten Konsumquatsch auf den Abgrund zu. Hallelujah!

Mein Kommentar zu Clausnitz

– Eine Wahrheit, die viele nicht hören wollen –

Vier Tage sind es jetzt seit den Vorfällen von Clausnitz vergangen. Seitdem gab es unzählige Berichte, landesweit. In sozialen Medien hagelt es an Kommentaren. Ich lese von Empörung und Unverständlichkeit bei nationalen und sächsischen Politikern, bei Menschen in sozialen Medien, ich sehe Anfeindungen gegenüber den Clausnitzer Bürgern, ich sehe Solidaritätsbekundungen verschiedener Seiten, mit Flüchtlingen sowie dem Mob. Ich lese von Freunden, wie sehr sie das Geschehene verabscheuen. Und ich habe das Gefühl, es ist jetzt an der Zeit, etwas zu sagen, das schon lange gesagt werden sollte.
Ich selbst lebe nicht mehr in Clausnitz, aber ich bin noch regelmäßig da und ich habe das Gefühl, es geht auch mich etwas an. Es fällt mir nicht ganz leicht, die folgenden Worte zu formulieren. Sie sind eine unbequeme Wahrheit. Eine, mit der ich und viele andere aufgewachsen sind. Eine, die viele sicherlich nicht…

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