Ich werde mich an dieser Stelle nicht zum Thema Satanismus ausbreiten. Da gibt es neben historisch fundierten Fakten auch mindestens so viele Ansichten wie Protagonisten, also Menschen, die sich selbst als Satanisten bezeichnen würden.

„Satan“ heißt ja so viel wie „Ankläger“ oder „Richter“, ein wenig abhängig davon, auf welche Tradition man sich bezieht. Tatsächliche aber glaube ich, dass der heutige Satanist eher die Rolle eines Agent Provocateur hat, in einer sehr zeitgemäßen Form. Der Satanist verweigert sich der „Konsensrealität“. Er provoziert sein Umfeld dadurch, dass er „das Offensichtliche“ partout nicht einsehen will und das genaue Gegenteil von dem tut, was man von ihm erwartet. Unter dem Totem des Wolfes wählt er sich ein kämpferisches Leben und hält dabei der zunehmend entarteten Gesellschaft den Spiegel vor. Dass er dabei selbst nicht zu kurz kommt, ist das Credo jedes Satanisten.

At War With Satan

Christen und höchstwahrscheinlich auch die Anhänger anderer relativ festgefügter Religionen wird man unter den Satanisten naturgemäß nicht finden, denn – ist einmal die Phase des jugendlichen Aufbegehrens gegen die Autorität abgeschlossen, und unter welchen Zeichen könnte dieses Aufbegehren besser stehen als unter dem des Teufels? – unterwerfen sich diese Menschen freiwillig einem höheren Wesen. Dass sie dies noch nie gesehen und im besten Fall hin und wieder einmal gespürt haben wollen, tut dem Glauben dann innerhalb eines friedlichen Lebens keinen Abbruch mehr.
Der Satanist verneint aber genau dieses Wesen. Er sieht sich selbst als Teil eines pantheistischen Kosmos oder als wilde Kreatur, zu dieser Zeit auf diese Erde geworfen; als Wolf, der um sein Überleben kämpft. Dem, wenn er dies mit Erfolg tut, eine großartige, kraftvolle Zeit auf dem Planeten beschieden ist. Der Kampf spielt bei beiden Ansichten eine zentrale Rolle, als Teil des ewigen Werdens und Vergehens ebenso wie zur Selbstbehauptung des Individuums.

Beide Vorstellungen, die von einem Gott-in-allem-und-alles-ist-Gott, und die von einem Menschen, der auf sich allein gestellt ist und sich seinen Platz erkämpfen muss, bergen gewaltige Konfliktpotentiale, will der Satanist in der heutigen Gesellschaft klarkommen, sprich überleben. Die pantheistische Weltsicht beinhaltet die Vorstellung, dass es, wenn es denn einen Gott gibt, dieser nicht personifizierbar ist, denn Gott ist Alles und in Allem. Also auch in jedem Menschen, jeder Zecke, jedem Pilz, jedem Stein, jeder Amöbe, jedem Atom und wie weit man das Spiel noch treiben möchte. Religionen ergeben somit keinen Sinn, denn es gibt keine Autorität, die über Gut und Böse entscheidet, höchstens die Vorstellung über positive oder negative Kräfte. Letztere kann auf das Individuum zentriert sein – also was schadet mir, was nützt mir – oder auf „Mutter Natur“ als sinnbildliche Trägerin unseres materiellen Daseins. Gute Voraussetzungen also, um mit seiner persönlichen Weltsicht bei Fundamentalisten aller religiösen Richtungen den Furor anzuheizen und auch bei toleranteren Vertretern dieser Gemeinschaften anzuecken. Wenn der eine glaubt, es gäbe einen Gott und der andere, dass nicht, da kann kaum Einigkeit entstehen! Bestenfalls lässt man sich irgendwann in Ruhe. In unserer Gesellschaft, irgendwo zwischen Säkularisierung und religiösem Fundamentalismus, haben die „Kirchen“, „Kulte“ und „Sekten“ aber noch immer einen immensen Einfluss, den man nicht unterschätzen sollte. Wer die Herrschaften ärgert, der kann sich auf ein aufregendes Leben freuen. Ein kampferprobter Wolf zu sein, ist dabei sicher von Vorteil.

Im Zeichen de Wolfes

Manchem mag es seltsam vorkommen, Menschen in Tierstämme einzuordnen. Tatsächlich haben unsere Vorfahren – und sogenannte „primitive Völker“ tun dies bis in unsere Tage – ihren Mitmenschen Tiere zugeordnet, ob als Totemtier oder als „Typus“. Stichwort Fabeln.

Die Vertreter des Stammes der Wölfe sind meist eigen-willige und kritische Menschen, die wenig auf die Meinung der anderen geben. Sie machen, was sie für richtig halten und was ihren Bedürfnissen entspricht. Die meisten Wölfe haben aber gelernt, dass das Leben als „Lone Wolf“, als einsamer Wolf, zwar „ruhmbekleckert“ sein kann aber auch sehr kräftezehrend ist. Und so finden sie sich mit den Jahren zu „Stämmen“ zusammen. Diese tribes stellen Dinge auf die Beine, die ihnen wichtig sind. Manchmal entsteht dabei Großartiges, manchmal entgleisen diese Projekte auch auf das Brutalste und Kampf und Heldentum fordern ihren Preis. Große Taten und großes Scheitern: Die Wolfsrolle wird gern von Männern gewählt, denn sie wird als kraftvoll und unabhängig verstanden; eine Rolle, die unsere traditionellen Geschlechterklischees eher dem Manne zuschreiben (Ausnahmen bestätigen selbstverständlich die Regel).

Das unreflektierte Wolfsdasein eignet sich gerade in unserer von Eigennutz geprägten Zeit gut dazu, politisch vereinnahmt zu werden, denn diese „gefährlichen“ Menschen sind schneller bereit, Dinge zu tun, die „nonkonform“ sind. Kommt also jemand mit einer „guten Idee“ oder einer „großen Vision“ sehen sie die Chance, ihr wölfisches Potential auszuleben, stets in Gefahr, dabei unterzugehen. Die dahinter stehenden Ideologien forcieren skurrilerweise das Gefühl, Teil der Masse, eines größeren Planes ebenso wie die Sicht, ein einsamer Wolf zu sein, der täglich um sein Überleben kämpfen muss. Eine absurde, logisch inkongrunente Vorstellung, die wahre Satanisten nicht teilen können. Die tragen Uniformen nur, weil sie darin gut aussehen oder andere provozieren wollen. Sich von einem sendungsbewussten Mitmenschen für irgendwelche Ziele einspannen zu lassen, die außerhalb der Zeit ihres irdischen Daseins liegen, ist für sie Zeitverschwendung. Bestenfalls nutzen sie die Energien solcher Entwicklungen, um selbst davon zu profitieren. Der einzige Grundsatz dieser wölfischen Menschen lautet: Es muss mir nutzen! Ein Typus Mensch, der heutzutage häufig anzutreffen ist, auch wenn sich wohl kaum einer davon offen als Satanist bezeichnen würde, denn das ist ihren Zwecken nicht dienlich. Tatsächlich sind sie auch keine Satanisten, denn wahre Schwestern und Brüder vom Stamm der Wölfe haben begriffen: Auch wenn sie nackt in eine feindliche Welt geworfen wurden, ohne diese Welt können sie nicht existieren. Während die einen versuchen, das Ganze zu erhalten, wollen sich die anderen für ihre Lebenszeit in einer Nische einrichten. Was die klügere Strategie ist, wird die Zeit zeigen…

Die ständige Bereitschaft zur Jagd und zur Verteidigung macht den Wolf zu einem aufmerksamen Wesen; der menschliche Wolf ist stets misstrauisch gegenüber dem Bild, das ihm die Gesellschaft bietet. In unserer hypermedialisierten Welt sind viele Satanisten „Verschwörungstheoretiker“ und dies oftmals nicht zu Unrecht. Denn die größeren Zusammenhänge, die das Geschehen auf Erden bestimmen, sind manchmal so offensichtlich, dass sie niemand mehr wahrhaben will. Mit seinen, oftmals den Vorstellungen der großen Masse seiner Mitmenschen widersprechenden Ansichten, ist der Satanist ein ständiger Anlass für Ärger, wenn nicht gar Hass. Spricht er doch die offensichtlichen Wahrheiten aus oder demontiert das abstruse oder naive Weltbild seiner Kritiker. Doch da der Satanist vor allem an seinem eigenen Schutz und Vorankommen interessiert ist, wird er sich dem Mainstream nicht als Märtyrer entgegen stellen, sondern die Kraft der Masse nutzen. Sollte das Schiff sinken, geht er als einer der ersten von Bord. Er bleibt bei der Herde, solange sie ihm Futter bietet und einen gewissen Schutz. Eine Haltung, die leicht zu einem spätkapitalistisch-überaffirmativen Charakter führt, zur Verinnerlichung des neoliberalen Kanons „Der Markt regelt alles“, wobei das Leben als „Markt der Möglichkeiten“ betrachtet wird. Ein Pantheist kann solch ein Satanist allerdings nicht sein, denn er beutet auch seine Umwelt rücksichtslos zu seinem Nutzen aus. Ohne Pantheismus wird Satanismus also schnell gemeingefährlich.
„Moralisch“ ist der materialistisch-wölfische Satanist also grundsätzlich ein „Arschloch“, denn was ihm gestern genützt hat, kann ihm heute schaden und so wechselt er die Ansichten wie die Hemden. Wenn er klug ist und genügend Macht hat, wird er sich seine Umwelt meist so einrichten, dass dies nicht nötig ist, es sei denn er hat Freude an Spiel und Manipulation. Eine aus meiner Sicht weit verbreitete Vorliebe „okkulter“ Zeitgenossen auf dem Pfad zur linken Hand, denn so sichern sie sich ihren Einfluss auf andere. Wozu auch im Kampf des Daseins am Ende der Nahrungskette stehen, wenn man an ihrer Spitze stehen kann? Womit wir wieder beim Wolf wären, einem der Tiere am oberen Ende der Nahrungskette. Früher gab es in diesem Landen einmal Luchse, Bären, Dachse und viele andere Wildtiere mehr, heute muss man sie oftmals „mit der Lupe“ suchen. Unsere Vorfahren waren noch vertraut mit ihnen, wie unter anderem die Fabeln beweisen.

Willkommen zurück, geliebte Wölfe!

PS: Der Satanist ist ein „Arschloch“ aber nicht jedes Arschloch ist Satanist. Und ein Satanist kann ein Wolf sein, muss es aber nicht.