Eine Woche war ich jetzt abgemeldet beim asozialen Netzwerk Fickbuch und ich muss sagen, es war eine tolle Zeit. Der konstante Strom an mehr oder weniger wichtigen und unterhaltenden „Informationen“ war abgerissen und ich habe es genossen. Diese Ruhe im Hirn und endlich bin ich auch wieder dazu gekommen, mich auf die Dinge zu konzentrieren, mit denen ich mich beschäftigen wollte. Wie Twitter auch, wo es doch letztendlich nur darum geht, der Erste zu sein und immer alles sofort mitzubekommen, ist Facebook eine Seuche, die zur kompletten Verblödung führt. ADHS für alle! Die Nerven sind ständig gereizt, man ist ständig gespannt, was als nächstes kommt und bei allem, was man tut, schwingt schon der Gedanke mit, wie man das am besten virtuell unter die Leute bringt, um sich interessant zu machen. What a waist of time…

In den letzten Tagen habe ich aber auch gemerkt, dass ich mich in letzter Zeit etwas zu sehr darauf verlassen habe, Facebook zu nutzen. Viele Kontakte bestehen nur noch über das Netzwerk und ich muss in nächster Zeit erst einmal sondieren, welche ich davon tatsächlich brauche und welche nur Ballast sind. Das klingt jetzt etwas boshaft aber im realen Leben hat man halt nur ein paar Freunde, für die man sich näher interessiert, auch und vor allem, weil man einen wichtigen Teil seines Lebens mit ihnen teilt. Warum soll ich mich für jede Zufalls- und Festivalsbekanntschaft interessieren? Dafür habe ich gar keine Zeit und keine Energie. Das Gleiche gilt für all die endlos vielen, zum Teil wirklich interessanten Veranstaltungen, für die Werbung gemacht wird. Ich habe weder die zeitlichen noch die ökonomischen Ressourcen, an allen teilzunehmen. Und das hedonistische Gejetsette lehne ich als falsch ab. Ich denke, es braucht nicht unbedingt Facebook, um die wichtigsten Sachen mitzubekommen, schließlich gibt es noch andere, wesentlich spannendere Plattformen, über die ich solche Informationen gezielt erhalte. Leider kannibalisiert FischBuch vieles davon aber das ist wohl nur noch schwer zu ändern. Lieber drei, vier geniale Festivals im Jahr als zich mittelmäßige. Ist ja auch genügend im für mich erreichbaren Raum zwischen Prag, Wroclaw, Leipzig, Altenburg und Berlin los, da muss ich eigentlich nicht rumheulen. Und wenn ich dann nicht cool genug bin, weil ich nicht immer und überall dabei bin – was soll’s?

Ein weiterer Grund, zumindest vorübergehend das Netzwerk wieder zu aktivieren, ist der Fakt, dass es werbetechnisch kaum noch wegzudenken ist. Ich werde meine Aktivitäten da auf ein Minimum beschränken und selbst nichts mehr posten. Ich hoffe, ich bekomme es hin, trotz dieses Kompromisses mich vom verführerischen Informationsmüll fernzuhalten. Filter an.